Do: Polizei attackiert Gedenkveranstaltung

Gedenken an den Punker Thomas - Schmuddel - Schulz, 2005 von einem Nazi in Dortmund getötet. Nichts ist vergessen und niemand.Am Mittwoch, 28. März 2012 gedachten über einhundert Personen bei Redebeiträgen und Musik Thomas („Schmuddel“) Schulz. Der junge Punker wurde im Jahr 2005 von einem Neonazi im U-Bahnhof Kampstraße getötet.
Gedenken an den Punker Thomas - Schmuddel - Schulz, 2005 von einem Nazi in Dortmund getötet. Nichts ist vergessen und niemand.Als Freunde von Thomas Schulz zu dessen Todesstelle gingen, um dort Kerzen zu entzünden, verweigerte die Polizei den Zutritt in den U-Bahnhof. Im Zuge einges Gerangels ging die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Teilnehmer der Gedenkverstaltung vor, mehrere Personen wurden verletzt, einige Personen festgenommen [Video].

Der folgende Bericht ist entnommen von der Antifa-Recherchegruppe Velbert (http://antifavelbert.blogsport.de)

Dortmund: „Menschen zusammenschlagen auf einer Gedenkveranstaltung, ihr Arschlöcher?“

Heute, am 28. März 2012, vor genau 7 Jahren, am 28.3.2005, wurde in Dortmund der Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz vom Neonazi Sven Kahlin ermordet. In der U-Bahnstation Kampstraße, weil er Kahlin´s rechtsradikale Sprüche nicht unkommentiert stehen ließ. Seitdem veranstalten AntifaschistInnen in Dortmund jährlich Demonstrationen und Kundgebungen, um an diesen Mord und die zahlreichen weiteren Opfer rechter Gewalt zu erinnern. Auch heute war an der Oberfläche der U-Bahnstation wieder eine Kundgebung angemeldet, zu der sich geschätzt 100 bis 150 AntifaschistInnen an der Kampstraße sammelten.

Nachdem bereits ein Jahr nach der Tat von der Dortmunder Verwaltung beschlossen wurde, eine Gedenktafel für Thomas Schulz zu installieren und noch immer keine Reaktion erfolgte, setzen die unterstützenden Gruppen auch dieses Jahr wieder diese Forderung in die Praxis um und errichteten eine Gedenktafel. Die von der Stadt geplante Gedenktafel soll die Aufschrift „In dieser U-Bahn-Haltestelle wurde am 28.3.2005 der Punk Thomas Schulz von einem Neo-Nazi erstochen.“ tragen – allerdings verzögert die Stadt die Anbringung auf nach einem Umbau der Kampstraße zum „Boulevard Kampstraße“. Laut aktuellen Planungen soll es demnach bis 2016/17 keine dauerhafte Gedenktafel in Erinnerung an den schrecklichen Vorfall geben.

Bei bestem Wetter wurden mehrere Redebeiträge gehalten und an die grausamen Morde in der Stadt Dortmund erinnert. Es wurde auch auf die Opfer des NSU und andere Todesopfer rechter Gewalt eingegangen und der Brief eines Freundes von Thomas Schulz verlesen, der aktuell in Haft sitzt.

Doch was macht die Polizei am liebsten, wenn antifaschistische Gruppen auf das Versagen des Staates und sein Mitwirken und Wegsehen bei Morden, die von Neonazis begangen werden, hinweisen? Sie holt den Knüppel raus und schlägt Alarm – so auch heute: Am Rande der Kundgebung befanden sich einige Punker, die in Richtung U-Bahn wollten. Ihr Ziel war der unterirdische Tatort des Mordes an ihren Freund Thomas Schulz. Eine handvoll PolizistInnen wollte ihnen den Zugang verwehren und provozierte und beleidigte diese aufgrund ihres Aussehens noch.

Die Polizisten schlugen die Punks zu Boden, trotz sich schnell aufgestellter Bullenkette wurden für alle sichtbar selbst am Boden liegende und wehrlose Personen noch geprügelt und getreten. Um den lautstarken Protest zu unterbinden sprühten die Polizisten unkontrolliert mit Pfefferspray in die Menge und schlugen auf alle umstehenden Personen mit ihren Schlagstöcken ein. Etliche Menschen, ob jung oder alt, klagten über gereizte Atemwege oder brennende Augen, noch meterweit entfernt spürte man beim Atmen dass Pfefferspray in der Luft. Pressefotografen, die ihrem Job nachgehen wollten wurden trotz Presseausweis und -akreditierung an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert und von den Polizisten geschubst und geschlagen. Mindestens eine Person musste von den Bullen am Kopf schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch Hunde von unbeteiligten Personen hatten deutlich sichtbar unter der Situation zu leiden. Wir schließen uns dem Zitat einer anwesenden Person – „Menschen zusammenschlagen auf einer Gedenkveranstaltung, ihr Arschlöcher?“ – an und hoffen, dass diese Eskalation der Gewalt Dortmunder Polizisten Konsequenzen haben wird und wünschen, sofern da noch ein Unterschied feststellbar ist, allen Opfer rechter Gewalt und polizeilicher Gewalt Gute Besserung.

Kommenden Samstag, den 31.03., findet in Dortmund am S-Bahnhof Universität ab 11 Uhr die Demonstration “Rechte Gewalt unmöglich machen!” des Dortmunder Antifa-Bündnisses statt. Anschließend gilt es, sich dem Naziaufmarsch in Dortmund entgegenzustellen. Dieser soll ab 16 Uhr vom Hauptbahnhof aus losgehen.

Bericht entnommen von der Antifa-Recherchegruppe Velbert (http://antifavelbert.blogsport.de)


2 Antworten auf „Do: Polizei attackiert Gedenkveranstaltung“


  1. 1 sissipus 31. März 2012 um 21:45 Uhr

    Hallo Leute,
    ich war bei der Gedenkveranstaltung für Schmuddel nicht dabei. Von dem „Einsatz“ oder besser gesagt, von der Knüppelei, habe ich heute auf dem Landesparteitag der LINKE in Hagen gehört.
    Aber ich muss auch nicht dabei gewesen sein, weil ich es vor zwei Jahren auf der „Dortmund stellt sich quer“ Demo erlebt habe, wie eine Gruppe von, ihr erlaubt mir das „Kindern“ die gegen Rassisten und Faschisten demonstrierten, prophylaktisch zusammengeschlagen werden sollten. Wir waren Wotan sei Dank genug Zeugen um das zu verhindern. Ich weiß nur, dass die Polizei sich nicht deeskalierend verhalten hat, als ihr zu dem Ort gehen wolltet, an dem Schmuddel einfach abgestochen wurde. Aus, peng.
    Man hätte, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet gewesen wäre, eine Delegation vorschlagen können oder überhaupt mit Euch kommunizieren können. Meinetwegen mit Megaphon. Taktisch ist die Staatsgewalt absolut geschult, dass Demonstrationen nicht eskalieren. Das die Eskalation oft erst von Seiten der Polizei ausgeht, das Demonstranten oft schon die Teilnahme an der Demo am Hauptbahnhof verwehrt wird, die Nazis beim Einzug in die Stadt auch noch eskortiert werden, das ist bei vielen Bürgern keine Utopie mehr sondern vorstellbar geworden. Wir werden hier eine Methode entwickeln nach dem Motto: „Stell Dir vor die Nazis kommen und keiner geht hin“. Angesichts einer angekündigten Kundgebung von pro NRW werden wir hier in unmittelbarer Nähe ein Straßenfest organisieren und die Inzestfanatiker ignorieren und auch die Schädelvermesser.

    Solidarische Grüße Euch allen, sissipus

  1. 1 « Dortmund stellt sich Quer! Dortmund bleibt nazifrei! Pingback am 30. März 2012 um 11:29 Uhr
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