Neuer Neonazi-Skandal in Dortmund

Lehrer sprach in Dortmund auf Pro-KundgebungLehrer sprach auf »Pro NRW«-Kundgebung. Rechte mobilisieren erneut zum Antikriegstag.
Der Ruhrgebietsmetropole Dortmund droht am 1. September 2012 erneut ein Aufmarsch neofaschistischer Organisationen. Bereits zum achten Mal versuchen die »Autonomen Nationalisten« den Antikriegstag für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Auf die Verhinderung der neuerlichen Provokation bereiten sich derzeit sowohl das örtliche Bündnis »Dortmund gegen rechts« als auch das bundesweite Bündnis »Dortmund stellt sich quer« vor.

Auch die Gewerkschaften haben bereits Aktivitäten gegen Krieg und Faschismus angekündigt. Sie wollen im Vorfeld des 1. September eine Woche lang an der Katharinentreppe gegenüber dem Hauptbahnhof ein Zeichen gegen Neofaschismus setzen und haben dafür den Platz besetzt, den die militanten Neonazis in den vergangenen Jahren genutzt hatten.

Obwohl bereits über 1.000 Dortmunder Bürger den Aufruf »Nein zum Naziaufmarsch am Antikriegstag!« unterstützt haben, den das Bündnis gegen rechts initiiert hat, ist nicht davon auszugehen, daß die Polizei die rechte Provokation untersagen wird. So gingen die Beamten etwa im vergangenen Jahr mit massiver Gewalt gegen friedliche Sitzblockierer vor. Verschiedene antifaschistische Aktivisten wurden bereits – wie etwa ein Berliner Mitglied der SDAJ – wegen ihres Engagements zu Geldstrafen verurteilt.

Hinzu kommt, daß der Stadt Dortmund ein neuerlicher Skandal ins Haus steht. So nahm der schwule Dortmunder Gymnasiallehrer Dr. Daniel Krause am Wochenende an einer Kundgebung der rechtsextremen Partei »Pro NRW« in Köln teil. Dort äußerte der Lehrer des Stadtgymnasiums, der sich selbst politisch bei den Grünen verortet, daß er mehr Angst »vor Islamisten als zum Beispiel vor Nazis« habe. »Hier erlebe ich friedliche, tolerante Menschen«, erklärte der Pädagoge auf der rechten Veranstaltung. Die Bezirksregierung Arnsberg prüft derzeit, ob Krause aufgrund seines Redebeitrages gegen das Beamtenrecht verstoßen hat.

Der linke Düsseldorfer Ratsherr Frank Laubenburg warf Krause indes »dumpfe rassistische Hetze« vor und konstatierte, daß der Lehrkörper »die vorhandene alltägliche Homophobie in der bundesrepublikanischen Gesellschaft« ignoriere, »um das Gespenst einer gerade Schwulen und Lesben drohenden Islamisierung an die Wand zu malen«.

Die Causa Krause erinnert indes an den Skandal um den ehemaligen Dortmunder Feuerwehrchef und Leiter des Institutes für Feuerwehrtechnologie, Klaus Schäfer, der im Jahr 2010 an einem Aufmarsch der militanten »Freien Kameradschaften« teilgenommen und deren Hetze applaudiert hatte. Er war daraufhin vom Dienst suspendiert worden.

Spendenkonto für das verurteilte SDAJ-Mitglied: DKP Berlin, Konto-Nr.: 004341 3137, Berliner Sparkasse, BLZ: 100 500 00, Stichwort: »Antirepres­sion Dortmund«

Artikel von Markus Bernhardt erschienen erstmalig am 13.6.2012 in der Tageszeitung junge Welt





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