29.3. – Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf

Dortmund stellt sich quer! Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf 2013 in DortmundZum inzwischen neunten Mal wird Karfreitag (29.3.2013) in Dortmund der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf stattfinden. Los gehts um 12 Uhr am Stadion Rote Erde.

Mit dem Lauf erinnern der BVB-Fanclub Heinrich Czerkus und die Naturfreunde-Kreuzviertel an den ehemaligen Platzwart des BVB und Widerstandskämpfer gegen den Faschismus. Czerkus wurde 1933 für die KPD in den Dortmunder Stadtrat gewählt, konnte sein Amt wegen der Verfolgung durch die Faschisten jedoch nie antreten. Czerkus leistete Widerstand gegen die Nazis und wurde im April 1945 – wenige Tage vor der Befreiung des Faschismus– von der Gestapo im Römbergpark ermordet.

In der Schlosserstr. 42 nördlich des Borsigplatzes erinnert ein Stolperstein an Heinrich Czerkus. Dort wohnte der 1894 geborene.

Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf: Karfreitag, 29.03.13 | 12 Uhr | Stadion Rote Erde (Ende Denkmal Bittermark)

Dortmund stellt sich quer! Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf 2013 in Dortmund

Der folgende Text ist in Auszügen entnommen von www.schwatzgelb.de

Mord in der Bittermark

Eines der traurigsten Kapitel der Vereinsgeschichte ist weder fußballerisch noch finanziell begründet gewesen: Nur wenige Tage vor Ende des zweiten Weltkriegs, im Frühjahr 1945, wurde Vereinswart Heinrich Czerkus von einem nationalsozialistischen Erschießungskommando umgebracht.

Es waren die ersten Frühlingstage, die in Dortmund, wie in vielen anderen Städten des dritten Reiches, noch einmal zahlreichen Menschen den Tod brachten. Zuvor, im Januar 1945, hatten Gestapo-Chef Heinrich Müller und SS-Führer Heinrich Himmler geheime Befehle an ihre Untergebenen erlassen, mögliche Staatsfeinde festnehmen und einer „Sonderbehandlung“ zukommen zu lassen. Ohne die bis dahin notwendigen Formalitäten und ohne entsprechende Gerichtsverfahren sollten die auf diese Weise Festgenommenen exekutiert werden.

Knapp 300 Menschen fanden so zwischen dem 7. März und dem 12. April 1945 allein in Dortmund den Tod. Unter ihnen auch Heinrich Czerkus (50), Vereinswart der Borussia und Kommunist, wie viele damals im „roten Norden“ Dortmund rund um den Borsigplatz – der Wiege des Ballspielvereins Borussia.

Schon in der Weimarer Republik war Czerkus von den Behörden beobachtet worden. Im Jahre 1933, nach der Machtergreifung der Nazis, begann auch die Gestapo sich für den Kommunisten zu interessieren. Czerkus war kurz zuvor noch als KPD-Mitglied zum Stadtverordneten gewählt worden, durfte dieses Amt nach der Machtergreifung Hitlers jedoch nie antreten. Stattdessen betätigte er sich im Rahmen des kommunistischen Widerstands gegen das Regime. Er fertigte und verteilte Flugblätter und bekam hierzu von BVB-Vorstand August Busse sogar die Druckmaschine des Vereins zur Verfügung gestellt.

Auch alle Versuche, Czerkus habhaft zu werden, scheiterten zunächst an der Borussenfamilie. Der BVB selbst präsentierte sich in der Zeit des Nationalsozialismus weitgehend unpolitisch und veranlasste lediglich die nötigsten Anpassungen, die das Regime vom Verein forderte. Ansonsten vereinte die Borussia unter ihrem Dach nahezu alle politischen Strömungen. Zum Wohle ihres BVB arbeiteten sowohl NSDAP- und SA-Mitglieder, als auch Widerstandskämpfer wie Czerkus gemeinsam für ihren Verein. Aufgrund der zunehmenden Verfolgung von Heinrich Czerkus standen die Vereinsmitglieder den Nationalsozialisten später jedoch zunehmend kritisch gegenüber. Immer wieder wurde der Gesuchte von anderen Borussen beschützt, selbst Polizisten gaben den BVB-Offiziellen Hinweise, wenn beispielsweise der Borussia-Sportplatz „Weiße Wiese“ nach Czerkus durchsucht werden sollte.

Lange Zeit gelang es den Borussen auf diese Weise mit vereinten Kräften, Heinrich Czerkus vor der Gestapo zu schützen. Wenige Wochen vor Kriegsende jedoch endete sein Glück. Im Rahmen der so genannten Endphaseverbrechen der Nationalsozialisten wurde er in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar festgenommen und in die Gestapo-Wache Dortmund-Hörde verbracht.

Ab dem 7. März wurden die von Gestapo und SS erlassenen Befehle endgültig umgesetzt. Im Rombergpark, auf einer Waldlichtung in der Bittermark und auf einem Eisenbahngelände bei Hörde starben zahlreiche Zwangsarbeiter und Widerstandkämpfer in diesen letzten Kriegstagen durch die Kugeln der Erschießungskommandos. (…) Das genaue Datum seiner Hinrichtung ist heute unbekannt.

Von den etwa 150 an den Exekutionen beteiligten Mitgliedern der Gestapo wurden nach Kriegsende lediglich 28 Personen angeklagt und 13 davon verurteilt. Die Haftstrafen betrugen zwischen zwei und acht Jahren, kein einziger Schuldspruch erging wegen Mordes oder der Beihilfe zum Mord. Der Großteil der Beteiligten blieb gänzlich unbehelligt.


1 Antwort auf „29.3. – Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf“


  1. 1 Gedenken an Opfer von Neonazis « Dortmund stellt sich Quer! Dortmund bleibt nazifrei! Pingback am 28. März 2013 um 12:25 Uhr
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