Woche gegen Rassismus in Dortmund

www.jungewelt.deGedenken an NSU-Opfer Mehmet Kubasik. Fußballclub Borussia Dortmund positioniert sich gegen rechts (dieser Artikel erschien erstmalig am 20.3.2013 in der Tageszeitung junge Welt).
Die Ruhrmetropole Dortmund ist eine Hochburg des organisierten Neonazismus in Deutschland. Fünf Menschen wurden dort seit dem Jahr 2001 von Rechten getötet. Am 4. April 2006 ermordete mutmaßlich der »Nationalsozialistische Untergrund« (NSU) den Familienvater Mehmet Kubasik in seinem Kiosk. Ein Jahr zuvor, am 28. März 2005, tötete der Neonazi Sven Kahlin den Punker Thomas Schulz. Im Juni des Jahres 2000 erschoß ein Neonazis drei Polizisten. Der Überfall auf eine Veranstaltung des DGB am 1. Mai 2009 sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Ebenso die regelmäßigen Aufmärsche zum Weltfriedenstag, von den Nazis als »nationaler Antikriegstag« zelebriert. Im August des vorigen Jahres ließ das NRW-Innenministerium mehrere Kameradschaften verbieten, darunter auch den »Nationalen Widerstand Dortmund«, das organisatorische Zentrum der Ruhr-Rechten. Wenig später schlossen sich zahlreiche Kader der erst wenige Monate vor dem Verbot gegründeten Partei »Die Rechte« an, der der bekannte Neonazi Christian Worch vorsteht.

Aus Anlaß des Todestags von Mehmet Kubasik veranstaltet die Föderation Demokratischer Arbeitervereine in Deutschland, DIDF, eine »Woche gegen Rassismus« in Dortmund. Am 4. April findet eine Gedenkkundgebung vor dem Haus statt, in dem der damals 39jährige sein Geschäft betrieb. Anschließend ist eine Demonstration geplant. Auf einer Podiumsdiskussion am 5. April geht es um die rassistischen Brandanschläge in Mölln (1992) und in Solingen (1993), bei denen acht Menschen starben. Am Tag darauf findet ein Leseabend statt. Antifaschistische Gruppen planen bereits für den 30. März eine Demonstration unter dem Motto »Kein vergeben, kein vergessen« (Beginn: 13 Uhr Hauptbahnhof). Die Organisatoren kritisieren, daß die Verbote der Neonazistrukturen »kaum Wirkung haben erkennen lassen«. Allerdings muß zur Kenntnis genommen werden, daß es seit dem Sommer vorigen Jahres ruhiger wurde mit rechten Aktivitäten in der Ruhrmetropole.

In außergewöhnlich deutlicher Form hat am Wochenende der Erstligist Borussia Dortmund Stellung gegen rechts bezogen. Der Verein war zuletzt wegen mehrerer Vorfälle in die Schlagzeilen geraten: Unter anderem wurden vor einigen Wochen zwei Fanbetreuer am Rande eines Spiels von eigenen rechten Clubanhängern angegriffen. Per Videobotschaft wurde vor Beginn der Partie am Samstag gegen den SC Freiburg auf die Tradition der Toleranz des Vereins hingewiesen. Es hieß: »Mit dem Angriff auf unsere Fanbetreuer Jens Volke und Thilo Danielsmeyer vor und während des Auswärtsspiels in Donezk wurde eine Grenze überschritten. Unsere klare Botschaft lautet: Rassistisches Gedankengut und Rechtsradikale haben bei Borussia Dortmund keinen Platz! Wir rufen alle Schwarzgelben auf, ihre Stimme gegen Rassismus zu erheben. Auf der Tribüne, in der Schule, bei der Arbeit, in der U-Bahn. Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen!« An dem Videoprojekt beteiligten sich Spieler, Offizielle, Mitarbeiter aus allen Abteilungen und Fanbeauftragte.

• 4.4. 17 Uhr, Demo und Kundgebung zum Todestag von Mehmet Kubasik, Kranzniederlegung am Tatort des Mordes (Mallinckrodtstraße 190), anschließend Gedenkdemonstration
• 5.4. Podiumsdiskussion »Mölln und Solingen. Die Inbrandsetzung der Menschlichkeit«, 19 Uhr, Auslandsgesellschaft e.V., Steinstraße 48
• 6.4. Leseabend mit Andreas Weißbert, Tevfik Tas und Kemal Yalçin, 18 Uhr, Auslandsgesellschaft e.V., Steinstraße 48

Info: www.dortmund.didf.de


1 Antwort auf „Woche gegen Rassismus in Dortmund“


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