Interview zur aktuellen Lage in Dortmund

BlockaDo! - Dortmund stellt sich quer!Interview mit einem Sprecher von Dortmund stellt sich quer zur aktuellen Lage in der Stadt: Zum neuen Bündnis BlockaDo, zu Protesten gegen einen Naziaufmarsch am 1. Mai in Dortmund, …

• In Dortmund hat sich ein neues antifaschistisches Blockadebündnis gegründet. Wer hat sich zusammengeschlossen?
In Dortmund gab es gewissermaßen immer eine Sondersituation bei der Mobilisierungen gegen den Naziaufmarsch. Hier war es nicht nur ein Bündnis, dass zu Gegenaktivitäten aufrief, sondern verschiedene Strukturen mit einer jeweils sehr unterschiedlichen Auffassung von Aktionsformen und politischen Inhalten.

Mit BlockaDO existiert nun ein Zusammenschluss von Dortmund Nazifrei, Dortmund stellt sich quer und autonome Antifaschistinnen und Antifaschisten, der von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, Parteien und Einzelpersonen unterstützt wird. Schon in den vergangenen Jahren gab es eine engere Koordination der unterschiedlichen Akteure, was die Verhinderung der Naziaufmärschen in der Stadt angeht. Mit der Gründung des neuen Bündnisses gibt es nun ein Dach, unter dem Aktivitäten der einzelnen Strukturen zusammengefasst werden können.

Es gibt weiterhin deutliche politische Unterschiede zwischen Autonomen, Linken und SPD-Mitgliedern. Die Grundlage für die gemeinsame Arbeit bei BlockaDO ist der beschlossene Aktionskonsens des Bündnisses, der sich für Blockaden und gemeinsamen zivilen Ungehorsam ausspricht.

• Wie kam es zu dieser Initiative?

Zu einem ersten Treffen eingeladen hatten Leute aus dem Umfeld der Autonomen. Hier gab es im letzten Jahr einen Strategiewechsel – der Schwerpunkt wird nun auch hier auf eine breitere Mobilisierung zu Massenblockaden gegen die Nazis gelegt, die zusammen mit den anderen Anti-Nazi-Bündnissen organisiert werden soll. Wir haben diese Initiative begrüßt und uns in die Diskussion eingebracht.

• In der Vergangenheit gab es unter Nazigegnern in Dortmund Streit bzgl. der Legitimität von Blockaden. Wurden diese ausgeräumt?

Noch bei der Aktionskonferenz von Dortmund stellt sich quer 2011 hatten Vertreter von Dortmund Nazifrei deutliche Bedenken wegen dem zivilen Ungehorsam gegen die Naziaufmärsche. Teilweise bestehen diese fort. So meinen Vertreter des eher bürgerlich geprägten Zusammenschlusses, dass das Unterhaken bei Blockaden explizit nicht zu ihrer Auffassung von legitimem Widerstand gehört. Ebenfalls nicht zu rechtfertigen sei es, sich dem Aufruf der Polizei zu verweigern, die blockierte Straße zu räumen. Hier bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten. Zuversichtlich bin ich aber, dass es trotzdem zu effektiven Aktionen gegen die Rechten kommen wird.

• Was sind die Hintergründe der politischen Differenzen zwischen den Organisationen? Sind die Dinge dort in Bewegung gekommen?

Dortmund stellt sich quer hatte sich seit der Gründung 2009 nicht nur auf Blockadeaktionen gegen die Aufmärsche der Nazis beschränkt, sondern sich auch bemüht über den Tellerrand zu schauen und aus einer linken, antimilitaristischen Position politische Zusammenhänge aufzuzeigen. Gerade in Dortmund hat das eine hohe Bedeutung.

Anders als beispielsweise NPD, Pro-NRW oder andere Zusammenhänge haben die so genannten „Autonomen Nationalisten“ bzw. „Die Rechte“ um Christian Worch mit ihrer Aufbaustrategie darauf gesetzt, Erscheinungsbild, Themen und Inhalte von Linken und Autonomen abzukupfern, diese zu wenden und mit ihren faschistischen Inhalten zu füllen.

So versuchen Nazis aus dem 1. Mai, den traditionellen Arbeiterkampftag, in Dortmund ein Tag der Naziaufmärsche zu machen, an dem sie behaupten, dass MigrantInnen aus Rumänien und Bulgarien für die hohe Erwerbslosenzahlen und die Armut in der Stadt verantwortlich wären. Die Ursachen der kapitalistischen Krise verklären sie mit der Schuldzuweisung an das „raffende Kapitals der US-amerikanischen Ostküste“.

Das zweite Datum für Naziaufmärsche in der Stadt ist das erste Septemberwochenende nach dem Internationalen Antikriegstag. Hier haben die Autonomen Nationalisten über Jahre hinweg den „Nationalen Antikriegstag“ ausgerufen, über 1.000 ihrer Anhänger folgten ihrem Aufruf. Aus einem „Nie wieder Krieg!“ wurde ein „Nie wieder Krieg nach unserem Endsieg“.

Wir haben in unseren Stellungnahmen als DSSQ uns dem auch politisch entgegengestellt und dazu aufgerufen, zum Internationalen Antikriegstag nach Dortmund zu kommen – und sich an den Anti-Nazi-Blockaden zu beteiligen.

Das Thema Krieg und Frieden als auch die soziale Frage stellen für uns keinen Widerspruch zu antifaschistischen Mobilisierungen dar. Ganz im Gegenteil haben wir beispielsweise bei Infotouren durch die von Aufmärschen betroffenen Stadtteilen meist viel positives Feedback für diesen Ansatz bekommen. Es geht ja im Grunde genommen auch darum, faschistischen Ideen grundsätzlich den Boden zu entziehen. Das meine ich in dem Sinne, dass Nazis versuchen, an den Ängsten vieler von Sozialabbau betroffenen Menschen anzusetzen, die Leute mit pseudo-sozialen Inhalten zu ködern und so für ihre rassistische Hetzkampagnen zu gewinnen. Hier ist es sowohl nötig, die wirklichen Zusammenhänge aufzuzeigen und als auch eine klare linke Alternative dazu zu haben.

Bei Dortmund Nazifrei, wo unter anderem auch SPD und Grüne organisiert sind, stieß dieser Ansatz natürlich auf Ablehnung.
Unter dem Dach von BlockaDO wird es dazu auch erst einmal nicht zu einer Einigung kommen. Das ist ein Grund, weshalb es auch weiterhin nötig ist, mit Dortmund stellt sich quer ein eigenes Bündnis aufrechtzuerhalten.

• Ihr Bündnis wurde von einigen angefeindet, weil Sie sich mit der Friedensbewegung und Israel und Palästina solidarisieren. Was ist daraus geworden?

Auch die Differenzen der letzten Jahre mit dem in Dortmund mitunter antideutsch geprägten autonomen Spektrum haben konkrete Ursachen in der Diskussion um Aktionsformen und der politischen Ausrichtung gehabt. Dabei spielte auch die Frage der Friedensbewegungen im Nahen Osten eine Rolle.

Hier wird es auch weiterhin Unterschiede zwischen einzelnen Akteuren geben. Wichtig ist es jetzt trotzdem zu schauen, die gemeinsamen antifaschistischen Aktivitäten zu stärken und auf der praktischen Ebene nach vorne zu bringen.

• Am Sonntag, 6. April 2014 findet eine Antifa-Konferenz in Dortmund statt. Was ist geplant?

In verschiedenen Workshops wollen wir mit Interessierten Menschen ins Gespräch kommen, einen Austausch zwischen den AktivistInnen gewährleisten und praktisch uns auf die Blockaden gegen den anstehenden Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ am 1. Mai vorzubereiten.

Diskutieren werden wir über die Naziszene in Dortmund und NRW, über rechte Codes und Symbole, den NSU-Skandal und rechtliche Dimensionen von zivilem Ungehorsam und passivem Widerstand.

In einer Plenumsdiskussion werden VertreterInnen aus verschiedenen Blockadebündnissen werden über Erfahrungen in Dortmund, Duisburg, Münster und Dresden berichten. Gegen Abend wird es dann ein öffentliches Blockadetraining mit see red! von der Interventionistischen Linken geben.

• Was wird „Dortmund stellt sich quer“ am 1. Mai 2014 machen? Hat „Die Rechte“ in Dortmund ihre Anmeldung durch?

Die Anmeldung der „Rechten“ ist durch, mit einem Verbot leider nicht zu rechnen. Wir bereiten uns hier mit BlockaDO auf Blockadeaktionen vor. Jeder Mensch, der das Ziel teilt, den Naziaufmarsch mit uns zu stoppen, ist willkommen. Unsere Blockaden sind friedliche, aber entschlossene Menschenblockaden, unser Gegner nicht die Polizei, sondern die Nazidemo.

Die Faschisten wissen, dass am 1. Mai viele Linke bei eigenen Demonstrationen eingebunden und schwerer zu mobilisierbar sind für Gegenaktionen.

Zu dem gibt es im Ruhrgebiet Anmeldungen von Pro NRW in Essen und Duisburg, die NPD will ebenfalls in Duisburg aufschlagen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hält auch in diesem Jahr an seinem Demonstrationszug zum traditionellen 1. Mai-Fest im Dortmunder Westfalenpark fest.

Wir hoffen, dass sich trotzdem viele entschließen, zu den Sammelpunkten für die Blockaden kommen und sich den Aktionen gegen Rechts anschließen.

In den nächsten Wochen werden wir die empfohlene Daten zur Anreise und die Sammelpunkte für blockadefreudige Menschen bekanntgeben. Für aktualisierte Informationen lohnt es sich immer, sich über die Website, Facebook oder Twitter über die neusten Entwicklungen zu informieren.

Aktionskonferenz von „BlockaDO“: 6. April 2014 12 Uhr, Fritz-Henßler-Haus, Geschwister-Scholl-Str. 33-37 in 44135 Dortmund


2 Antworten auf „Interview zur aktuellen Lage in Dortmund“


  1. 1 Blockadebündnis gegründet | Bündnis Dortmund gegen Rechts Pingback am 05. April 2014 um 7:22 Uhr
  2. 2 Blockadebündnis gegründet | Bündnis Dortmund gegen Rechts Pingback am 05. April 2014 um 7:40 Uhr
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