»Alles, was das rechte Spektrum hergibt«

Ein Netzwerk von Rassisten will am Montag, 8.12.2014 auch in Düsseldorf aufmarschieren. Antifaschisten mobilisieren dagegen. Ein Gespräch mit Judith Behrens, Sprecherin der Antifa-AG der Interventionistischen Linken Düsseldorf Ein Netzwerk von Rassisten will am Montag, 8.12.2014 auch in Düsseldorf aufmarschieren. Antifaschisten mobilisieren dagegen. Ein Gespräch mit Judith Behrens, Sprecherin der Antifa-AG der Interventionistischen Linken Düsseldorf [see red!]

Am Montag will ein Netzwerk mit Namen »Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlandes« (Dügida) in der Landeshauptstadt aufmarschieren. Wer steckt hinter diesem Zusammenschluss?
Initiator des rechten Aufmarsches ist offenbar der Düsseldorfer Rechtsanwalt Alexander Heumann. Er kommt aus der »Patriotischen Plattform«, in der sich der rechte Flügel der »Alternative für Deutschland« (AfD) sammelt. Diese Partei will von den rassistischen Mobilisierungen der letzten Wochen profitieren – also von »HoGeSa« (Hooligans gegen Salafisten, Köln) und »Pegida« (Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes, Dresden).

Die Initiatoren wollen sich ein sauberes Image geben, was vermutlich nicht gelingen wird, da nahezu die gesamte extreme Rechte der Region nach Düsseldorf mobilisiert.

Die Polizei rechnet mit mehr als tausend rechten Demonstranten. Halten Sie das für realistisch?
Wir erwarten vom rassistischen Bürgermob über Rechtspopulisten, NPD-Parteigänger und rechte Hooligans bis hin zu organisierten, militanten Neonazis alles, was das heutige Rechtsaußen-Spektrum so hergibt. Das können durchaus mehr als tausend werden! Interessant ist, dass die Düsseldorfer CDU bislang einen Schmusekurs gegenüber den Rassisten fährt. Der lokale Vorsitzende Thomas Jarzombek hat ihnen Rückendeckung gegeben, Zitat: »Die angegebenen Ziele der Dügida sind auf dem Boden der Verfassung, auch wenn wir nicht alle Thesen teilen.«

Auch in Dresden haben mehrere tausend Personen an derlei Aufmärschen teilgenommen. Meinen Sie, dass das ein bundesweiter Trend werden könnte?
Das ist möglich, obwohl ich davon ausgehe, dass es uns in Düsseldorf gelingt, den braunen Spuk schnell zu isolieren und einzudämmen. Leider gibt es bei uns viele Gegenden, in denen die antifaschistische Bewegung schwach oder gar nicht vorhanden ist, dort gewinnt die Rechte an Stärke.

Ein Blick nach Dortmund oder in unsere Nachbarstadt Duisburg lässt einen gruseln – in Duisburg zum Beispiel ist eine Situation entstanden, in der Rassisten und Neofaschisten Aufwind haben. Dort mobilisiert das Bürgertum gegen Flüchtlinge, und in einzelnen Stadtteilen ist die NPD auf bis zu 25 Prozent der Stimmen gekommen.

Die antifaschistische Bewegung ist offenbar nicht in der Lage, genügend Leute für Proteste gegen Rassismus zu mobilisieren. Woran liegt das?
Das würde ich so allgemein nicht ausdrücken, in Dresden haben ja erst kürzlich Antifaschisten einen »Pegida«-Aufmarsch blockiert. Andererseits ist es richtig, dass es im Umland Kölns nicht gelungen ist, genügend Leute für eine Demonstration gegen den »HoGeSa«-Aufmarsch zu mobilisieren. Das hat sicher mehrere Gründe – einer davon ist, dass zum Beispiel extrem rechte Fußballfans gar nicht im Blickfeld der linken Bewegung waren. Ein anderer ist, dass ein Teil der Mainstreammedien das »Feindbild Islam«sowohl in offener als auch versteckter Form pflegt.

Außerdem haben die Rassisten ihr Mobilisierungspotential dadurch enorm vergrößert, dass sie die »Neuen Medien« effektiv nutzen. Die antifaschistische Bewegung ist von der Größe der rassistischen Aufmärsche überrascht worden, deren Themenwahl ist massenkompatibel. Wenn wir Antifaschisten gegen die antimuslimische Hetze auftreten, können wir uns oft nur mit Mühe gegen den Vorwurf wehren, wir seien für den reaktionären Islamismus.

Also braucht die antifaschistische Bewegung eine Strategiedebatte?
Nichts spricht dagegen, aber vor allem benötigen wir – und das sehen wir durchaus auch selbstkritisch! – eine den aktuellen Entwicklungen angemessene Praxis. Wir brauchen eine antifaschistische Bewegung und radikal-linke Organisationen, die in der Lage sind, die rechten Aufmärsche zu verhindern.

Antifaschistische Proteste am Montag, 8. Dezember, 17:30 Uhr, Johannes-Rau-Platz, Düsseldorf

Interview: Interview: Markus Bernhardt





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